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Luftspiegelungen von House
// Dass eine solche Abstraktheit derart im Groove enden kann, das schafft Daniel Bemberger alias dB wie kein anderer. Der Wiener Produzent, der schon seit zehn Jahren als DJ waltet, hat vor vier Jahren mit «Donaupark» bei Sub Static debütiert, beim dortigen Unterlabel Karloff veröffentlicht und mit dem Album «Peron» fürs Andy-Vaz-Label Background sein Glanzstück aufgenommen. Ein roher Sound meldet sich da, eine mehrlagige, auf- und abgehende bzw. sinkende Strommusik mit viel Jazz- und wenigen Pop-Vignetten. Oder besser: Es ist eine überaus dichte Vermengung von vielem, die als Luftspiegelung des House zu flirren beginnt: 4/4-Texturen werden überlagert von Samples aller Art, bis eine deutungsreiche Soundwolke entsteht, die gebrochen, angeknabbert, verweht und trotzdem (oder deswegen) vollauf diskofähig ist. Es kondensiert, was immer in quirligen, housigen Loops geerdet ist, doch stets umschwirrt wird von Teilchen und Antiteilchen der Popmusikgeschichte.
Durch den Micro-Dunst hindurch macht uns dB lockeren House vor, springt aber in jedem Moment in viele andere Richtungen: Mal wird klarer der Jazz herausgeschält (wie bei den Karloff-Platten), mal bewegt sich dB eher zur Tanzecke (wie bei den meisten Background-Veröffentlichungen). Er könnte sich da irgendwann im morastigen Musikmoor verzetteln. Tut er aber nicht, denn seine versponnen gesponnenen Verwebungen leben genauso von kompositorischem Kalkül wie von melancholischer Knorrigkeit. Aus dem Launischen entsteht dann manchmal sogar Fröhlichkeit. Wie bei Frivolous. Vor kurzem hat dB seine Webseite Traumaboy.com aufgeschaltet, benannt nach einem Track auf der EP «Troon» für Background. Seine neueste Veröffentlichung heisst «God's Will Phone Center», erschien beim Wiesbadener Label Boogizm und enthält zwei Remixes von S-Max und Fym.
kommerz: Deine Musik blubbert immer so schön und swingt. Wie machst Du das?
dB: Nun ja, eine schwierige Frage. Primär hängt das wahrscheinlich mit meiner Kompositionsmethodik zusammen: Ausgehend von einem kleinen Stück das kann ein winziger Beatloop oder aber einfach nur ein Sound sein beginne ich passende Samples darüberzuschichten. Daraus ergibt sich dann auch meistens das Arrangment des Tracks. So sind alle Elemente in einem permanenten Fluss, und es ergeben sich zwangsläufig wellenförmige Strukturen, indem sich die Melodielinien auf- und abbauen. Ein Freund von mir meinte auch mal, ich würde Beats oft wie Melodien setzen, was natürlich enorm dazu beiträgt, dass das Ganze aufgrund seiner Kleinteiligkeit immer in Bewegung ist und anfängt zu swingen.
Du hast einen Remix von dem österreichischen Elektronikavantgardisten Dieter Feichtner gemacht. Beschäftigst Du Dich oft mit Neuer Musik und Ähnlichem?
Um ehrlich zu sein, nein. Ich bin über den Komponisten Günther Rabl zu diesem Remix gekommen, der ein guter Bekannter von mir ist. Er kannte Feichtner sehr gut und hat vor einiger Zeit ein kleines Festival «In Memoriam Dieter Feichtner» in Wien organisiert. In dessen Rahmen hat er dann einige junge elektronische Musiker gefragt, ob sie nicht Lust hätten, Feichtner-Remixes zu machen und dabei auf dessen Archiv teilweise unveröffentlichten Materials zurückzugreifen. So kam meine Berührung mit Neuer Musik zustande. Ich habe aber früher viel Jazz und natürlich auch Free Jazz gehört, eine Faszination für diese ganz freie, improvisierte Form von Musik war also schon immer da.
Tonquelle jeder Aufnahme ist die eigene Plattenkollektion, schreibst Du. Wie sieht diese Sammlung denn aus?
Ich spreche ja selbst immer vom «Archiv», wenn es um meine Plattensammlung geht. So kann man sich das auch vorstellen: eine Sammlung aus 50 Jahren Popularmusik. Nein, im Ernst: Für mich war Musikhören immer immens wichtig, ich habe schon als Kleinkind immer die Kassetten meiner Mutter angehört: Pink Floyd, Blondie, Talking Heads. Irgendwann mit 15 hab ich dann angefangen selber Platten zu kaufen und mich zum totalen «Digger» entwickelt, am liebsten auf Flohmärkten, wo ich oft Stunden mit Suchen verbracht habe. Seit einigen Jahren betreibe ich das fast schon wissenschaftlich, gehe meistens nach Epochen vor, informiere mich über die wichtigsten Protagonisten, höre mir Sachen im Netz an und entscheide dann, was mir gefällt. Dann werden sämtlich Flohmärkte und Secondhandläden abgegrast, wobei das oft zehn Jahre, wie ich gerade kürzlich gemerkt habe, dauern kann (da ging es um das Album «Kapital» von Laibach auf Vinyl). Ich liebe diese Läden, auch diesen leicht modrigen Geruch von den ganzen alten Platten, die Nerds (mich eingeschlossen!), die da immer drin abhängen, einfach alles. Irgendwann mit fünfzig mach ich wahrscheinlich selber einen auf, haha.
Was erscheint in Zukunft von Dir?
Ich arbeite gerade an neuem Material für Background und Karloff, beides EPs. Die Karloff kommt wahrscheinlich Anfang 2007 raus. Dann müsste dann auch endlich mein Remix vom Jeff Milligan/Robin Troy-Track «Secant» auf Revolver herauskommen. Für nächstes Jahr hab ich mir das zweite Album vorgenommen, ich habe auch schon einige Ideen im Kopf. Es wird auf jeden Fall was anderes als bisher, mehr sei noch nicht verraten.
Deine Musik ist der von Frivolous vergleichbar. Seid Ihr ein Geheimbund?
Wir haben zwar beide denselben Vornamen (Frivolous heisst Daniel Gardner), aber Geheimbund: Nein, gibt es keinen. Ich würde auch meinen, dass es viele Parallelen zwischen der Musik von Daniel und meiner gibt, aber eher von der Herangehensweise her und weniger vom Resultat. Frivolous hat, vor allem seit den letzten Releases, einen zunehmend poppigeren Zugang. Seine Musik hat so was Grundfröhliches, Unbeschwertes. Ich sehe mich eher auf der melancholischen Seite, so die Blautöne der Musik. Wir kennen uns aber, haben auch Mail-Kontakt und wer weiss, vielleicht wird es ihn ja mal geben, den Geheimbund, haha.
dB spielt im Oktober mit Andy Vaz im nahen Ausland: Am 20.10 im Rauch Club in Feldkirch, am 21.10 im Audiopixel Club in Konstanz.
Abspielen «Petrzalka» (Karloff).
Abspielen «Gdansk» (Karloff).
Kopieren dB-DJ-Mix (134,1 MB).
www.traumaboy.com
www.background-records.de
www.karloff.org
Autor: Pascal Blum
/ Bild: dB (© Studio3/Vienna)
Veröffentlicht: 18.10.2006
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