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Ihr seid sichtlich sehr schlaue Leute und habt ein eigenes Programm entwickelt, um live Visuals zu generieren. Könnt ihr uns erklären, wie das funktioniert?
s1: Was nun, das Schlau-Sein oder das Programm entwickeln? Das eine bezweifeln wir selbst und das andere machen wir nur unter Einfluss von Suchtmitteln. Wer bestellt die nächste Runde?
s2: Hm. Vielleicht meint er damit auch, wie die Software bedient wird. Das geht so: Wir bereiten für einen Event ein paar Designs vor und aktivieren die Dinger dann an der Party. Dann schauen wir mal, wie das Ganze auf die Musik reagiert - wir haben ja Sound-Input. Der kreative Prozess, wenn man Live-Visuals macht, ist nun, an den Designs rumzuschrauben, bis es gefällt. Was ich persönlich cool finde, ist, dass jeder Auftritt einzigartig ist, weil wir gewisse Designs, die während einer Performance entstehen, nie mehr reproduzieren können. Schuld daran ist ein fehlendes Feature, das s1, die faule Sau, mal endlich coden müsste.
s4: Natürlich ist ein System wie unseres für, sagen wir mal, «Nicht-Informatiker» fürchterlich kompliziert; interessanter ist daher die Frage nach der Motivation, ein eigenes System zu haben. Das Programm ist fester Bestandteil unserer Arbeit, es ist der Punkt, wo alles zusammenkommt. Wenn wir beginnen, Codes zu entwickeln, dann ist das der erste Schritt, unsere künstlerischen Ideen zur Realität zu machen. Wir können mit einem eigenen System schon von Anfang an kreativ arbeiten. Deshalb verbringen wir letztendlich wohl auch fünfzig Mal mehr Zeit im Labor als auf der Bühne.
s3: Nur so aus Interesse: Was war nun die Frage?

Behauptung: In der Schweiz haben die Visuals noch nicht eine so grosse Bedeutung wie im nahen Ausland. Stimmt das, und wenn ja, warum bloss?
s1: Stimmt schon und Bedeutung ist wohl immer auch eine Frage der Kohle. Aber es geht ja in der Kunst nicht um Bedeutung der Kunst an sich, sondern um die multimediale, holistische, pluralistische Sinneserfahrung der Betrachter im Moment - so gesehen ist Bedeutung völlig unbedeutend.
s3: Zu deinem $$$-Punkt: Wir sind in der Schweiz eher im Underground-Bereich aktiv, sprich innovative Leute, gute Parties, keine Kohle. Von daher unbedeutend, ja. Dann: das nahe Ausland kenn ich zuwenig. Aber wenn wir jeweils mit unseren Kumpels von Shuffle in London was machen, stossen wir immer auf extremes Interesse, von Seiten der Organisatoren und auch der Leute. Irgendwie sind die Menschen da interessierter. Keine Ahnung warum.
s4: Definitiv werden Visuals in naher Zukunft überall in unserem Alltag Einzug halten, und wir stehen da an einem entscheidenden Anfang. Doch in welcher Form sich das konkret äussern wird, lässt sich nur schwer voraussagen. Aber genau das macht die Sache ja auch interessant, weil jetzt Grundsteine gelegt werden können. Wir denken daher eher langfristig und das Thema «Schweiz-Ausland» spielt nicht so eine Rolle — obwohl ich s3’s Aussagen bezüglich dem Interesse im Ausland nur bestätigen kann.
s2: Ich bin recht glücklich zu sehen, wie Visuals im In- und Ausland gewachsen sind. Als wir 2001 damit anfingen, war es schwierig, auch nur einen anständigen Projektor von den Veranstaltern zu bekommen. Inzwischen sind vier Projektoren an der Tagesordnung, die Veranstalter bieten reichlich Projektionsflächen und, sehr wichtig, der Mann am Licht funzelt nicht mehr störend rein, sondern arbeitet «mit» den Visuals statt «gegen» sie.

Ihr seid eine Gruppe, könnt ihr kurz erklären, wer bei euch was macht?
s1: Vier Kumpels. Einer ist technikgeil, einer ist der Grafikzauberer, einer die C++-Template-Sau und der andere kümmert sich ums Grobe.
s3: Wobei man da über die Details streiten kann.
s2: Stimmt, tönt wie die Beatles. Wer ist Ringo?
s4: Ich bin der fünfte.
s1: Ich will Paul sein. Und sowieso: John Lennon war das Arsch, nicht Paul. Paul find ich gut. Er sieht zwar Scheisse aus… aber das kann man ja von Ringo guten Gewissens auch behaupten.
s2: Kennst du eigentlich John Lennons «Erection»-Kurzfilm?
s3: Ich glaub du schweifst ab.
s2: Nein. Tu ich nicht.
s3: Doch.
s2: Fick dich.

Ihr habt bald zu Ende studiert und erobert die Geschäftswelt. Bleibt da noch Zeit für Visuals? Wie geht’s weiter mit euch?
s1: Ja natürlich. Der ganze Kommerz und das kaputte Marketing geben uns immer wieder neue Impulse, eigene visuelle Reizüberflutungen zu schaffen. Zeitlich werden wir uns sicher beschränken müssen, aber wir waren da, sind da und bleiben da da da.
s3: Yeah. Mein Imageberater hat auch gemeint, dass die ganze Banken-Szene bald einen Aufschwung durchmachen wird und wieder respektiert wird. Ich könnt mir also durchaus vorstellen, Karriere als professioneller PR-Visualisator bei einer Grossbank zu machen und die Gehirne der Menschen durchzuspülen.
s2: Ach, vergiss das, die Werbeszene besteht leider nicht mehr aus Limos, Nutten und Koks. Das ist inzwischen Mineral-Wasser-Business. In jeder Hinsicht.
s4: Eigentlich werden wir angetrieben von einer Vision. Und zwar…
s2: Das interessiert mich jetzt aber.
s3: Ja mich auch…
s1: Vision? Was für eine Vision? Ich dachte, du willst nur umsonst saufen?
s4: Ach, ihr abgefuckten Dilettanten. Kurz gesagt: Wir machen weiterhin das, was wir wollen.
s2: Ja, qualitativ hochstehendes Material zu produzieren. Ohne Rücksicht auf Verluste.
s3: We will never stop, we will never quit, cause we are
s2: Metallica?
s3: Scheinwerfer!

www.scheinwerfer.li
www.derraucher.ch/index.php?id_haupt=29&id_sub=26&id_content=144

Autor: Electroboy
Veröffentlicht: 23.08.2005

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