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Was muss man wissen?

Um elektronisch Musik produzieren zu können, brauchst du einen Software-Sequencer.

Host steht für ein Programm, das andere Software-Bausteine integrieren kann. Ein Sequenzer ist ein Gerät bzw. ein Programm, das Musik aufzeichnen, wiedergeben und generiert kann. Es gibt Timeline-Sequenzer. Ein Song wird im Sequenzer in einer Timeline von links nach rechts dargestellt. Im Arrangefenster des Sequenzers wird jede Aufnahme als Linie dargestellt. So hat man eine übersichtliche optische Kontrolle über alle an einem Stück beteiligten Parts. Es gibt aber auch patternorientierte Sequenzer. Hier werden die Abschnitte eines Songs in Blöcke unterteilt. Diese können in einer Playlist in eine beliebige Reihenfolge gebracht werden und ergeben den kompletten Song. Das patternorientierte System wird vor allem für Live-Situationen gebraucht. Im Cycle-Mode (ein definierter Abschnitt wird als Wiederholungsschleife wiedergegeben) werden die jeweils angewählten Patterns permanent wiederholt, sodass man einfach durch Anwahl der Patterns sowie das Ein- und Ausschalten von Spuren den Song live on stage arrangieren kann.

Die meisten Recording-Systeme sind Kombinationen aus MIDI- und Audio-Recording und bieten darüber hinaus die Integration von Software-Instrumenten. MIDI sind im Vergleich zur Tonaufnahme keine Schallereignisse, sondern Steuersignale, die einen Klangerzeuger zur Wiedergabe instruieren. Ein MIDI-Sequenzer zeichnet also keine Tonsignale auf, sondern lediglich Steuerdaten, die die Zustände der angeschlossenen Instrumente repräsentieren. Es gibt viele verschiedene Event-Arten wie z.B. Noten-Daten; darin enthalten sind Informationen zu den jeweils gespielten Notennummern, der Zeitdauer und der Anschlagstärke.

Wer will, kann in das Sequencerprogramm per Rewire-Schnittstelle andere Audio-Applikationen einbinden, welche parallel zum Sequencer betrieben werden können. Rewire ist eine Software-Schnittstelle, die den Austausch von Audio- und MIDI-Daten zwischen verschiedenen, gleichzeitig auf einem Rechner laufenden Audio-Applikationen erlaubt. Die Audio-Signale von Programm A können somit in das Mischpult von Programm B geroutet werden. Dabei unterscheidet man zwischen Master- und Slave-Software. Die Audio-Signale der Slave-Software werden dabei in die Master-Software gespeist.

Getting ready

Wir verwenden Logic Pro von Apple als Software-Sequencer. Das industrieweit führende Programm für Musikkreation und Audioproduktion kostet CHF 1'398, ist aber auch in einer Express-Version für CHF 400 erhältlich.

Für den Betrieb von Logic ist eine Soundkarte nötig, die eine bessere Soundqualität und Latenz hat als der interne Soundchip eines Computers. Wir verwenden eine Audiokarte mit integriertem MIDI-Interface, Mikrophon- und Instrumenten-Vorverstärker: FireWire 410 von M-Audio für CHF 600.

Wer Noten nicht nur über die Maus eingeben möchte, braucht noch ein Keyboard. Problemlos und sehr kostengünstig ist das Oxygen 8 von M-Audio mit direktem USB-Anschluss für CHF 215.

Willst du ein Mikrophon, empfehlen wir eine Beratung im Fachgeschäft, denn die Auswahl ist gross und die Ansprüche sehr unterschiedlich. Wer nicht viel Geld investieren möchte, dürfte sich für das Shure SM58 interessieren. Es kostet CHF 190 und ist weltweit eine Legende unter den Gesangsmikrophonen.

Nun brauchst du noch zwei geeignete Monitorlautsprecher zum Anhören deiner Musik. Eine Alternative ist ein Studio-Kopfhörer. Auch hier lässt du dich am besten im Fachhandel beraten.

Falls du dich für zusätzliche Software interessierst, können wir dir den Software-Synthie Reaktor von Native Instruments empfehlen.
Solltest du einen Live-Auftritt planen, benutzt du vorzugsweise das Live von Ableton.

Schulung

Wer keine Lust hat, sich das nötige Wissen im Selbststudium anzueignen, hat diverse Möglichkeiten, sich schulen zu lassen. Vorteile einer Schulung sind unter anderem, dass du Zeit sparst, einfacher die nötige Motivation findest, geführt wirst und Kontakte knüpfst. Im Kreis 4 in Zürich gibt es die unabhängige technische Musikschule Fega-Werk mit Schwerpunkt DJing, Audiotechnik und Producing. Die erfahrenen Tontechniker, DJs und Produzenten Marc Hürlimann und Raymond Grenacher bieten zwei Producing-Lehrgänge an. Ein Lehrgang umfasst 20 Lektionen, dauert fünf Wochen und kostet CHF 825. Maximal sind acht Teilnehmer im Kurs, der Unterricht kann also sehr individuell gestaltet werden. Es braucht keine Vorkenntnisse für den Einsteiger-Lehrgang, für «Advanced Producing» werden mindestens Grundkenntnisse vorausgesetzt. Die Ausbildung soll dem Teilnehmenden einen umfassenden Einstieg in das Produzieren von Musik mit elektronischen Mitteln (Synthesizer, Sequenzer, Computer) ermöglichen. Der Kurs ist auf die Erlernung der praktischen Anwendungen ausgelegt, d.h. die Theorie wird erklärt und kann im abgegebenen Skript nachgeschlagen werden. Sie soll aber nur einen kleinen Teil des Kurses ausmachen. Mehr Infos gibt's auf http://www.fega-werk.ch.

Mastering

Dazu Frank Niklaus von FFRecords:
Abmischen und Mastering sind zwei verschiedene Dinge. Wenn man mit dem eigenen Mix zufrieden ist, braucht man ihn nicht noch in einem Studio neu abzumischen. Hat man ein wenig Budget und möchte zwei neue, frische Ohren dazugewinnen, bringt es schon was, in einem Studio einen Mixdown zu machen, kostet allerdings mind. ca. CHF 300 pro Track! Mastering würde ich allen in einem speziellen Masteringstudio empfehlen! Da gibt es sehr gute schon ab ca. CHF 50 pro Track!

Patrick Böhler (audio-net.ch) wird konkreter:
Es gibt zwei verschiedene relevante Tonträger heute: Die Compact Disk und das Vinyl. Die CD ist digital herstellbar/kopierbar, während das Vinyl analog hergestellt wird. Die digitale Welt kann von jedermann heutzutage produziert, gemischt und gebrannt/vervielfältigt werden, während das andere, die analoge Vinyl-Welt ein veraltetes Medium mit Mythos und Kultstatus nur noch in wenigen (etwa 10! in ganz Europa) Fabriken hergestellt/vervielfältigt wird. Logisch ist somit, dass die digitale Welt erheblich billiger in der Produktion ist. Schlussendlich lohnt sich ein vollamtlicher Release von 1000 Vinyl Maxis nur, wenn er für DJs und den Dancefloor produziert und gemastert wurde. Mal abgesehen davon, ob es ein Clubbanger ist und von einem amtlichen Vertrieb gepusht wird oder nicht. Hinzu kommt, dass viele Clubs heute CD-Player zur Grundausstattung haben, die DJs auch teilweise wirklich gut mixen können mit CDs und wenn das Produkt Kultstatus in kleinster Auflage haben soll, immer noch die Möglichkeit besteht, ein Vinyl-Unikat schneiden zu lassen. zb. unter www.unicut.biz. Also überlegt euch, wer hört meine Musik, wo wird sie gespielt? Zum Abmischen: Ein Mastering-Engineer bringt seine Erfahrung beim Hören in die Arbeit ein. Das heisst, er kann dir z.B. sagen, ob du zuviel Bass in deinem Mix hast. Er kann aber auch dein Tune richtig pumpen lassen. Grundsätzlich arbeitet der Mastering-Engineer mit wenigen Tools, hört sich die Musik an, bespricht mit dem Kunden, was dieser genau will und verpasst dem Tune den letzten Schliff. Ein Mastering-Engineer ist eine Vertrauensperson, die im besten Falle den Musikstil, den sie bearbeitet, kennt, und natürlich eine gewisse Erfahrung mitbringt, was genau wo bei welchen Frequenzen passiert. Wenn ihr euch entschieden habt, dass ihr zu einem Mastering-Engineer gehen möchtet, müsst ihr ihm euren Tune unbearbeitet mitbringen. Alle Plugins wie Summen, Kompressoren und Equalizer rausnehmen und die Musik so dynamisch wie möglich mitnehmen. Macht einfach KEIN Premaster! Wenn es viele Vocals in eurem Tune hat, macht es Sinn, diese auch separat und unbearbeitet mitzubringen. Detailiertere infos via info@audio-net.ch

Rechtliches

Chantal Bolzern vom Rechtsdienst SUISA (Schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke) beantwortet unsere Fragen:

Songs sind im Augenblick ihrer Entstehung von Gesetzes wegen urheberrechtlich geschützt. Weitere Schritte, wie zum Beispiel die Eintragung in ein Register, sind nicht erforderlich. Anlässlich eines Streitfalles um die Urheberschaft dürfte es jedoch Probleme verursachen zu beweisen, wann das Werk geschaffen wurde. Der Urheber kann für diesen Fall entweder das Werk bei der SUISA anmelden (nur als Mitglied) oder sich eine Aufnahme des Songs per Post selbst zusenden. Die Sendung muss eingeschrieben erfolgen und darf nicht geöffnet werden. Hinweis: Eine Alternative, die auf die Schweiz angepasste Version der Creative Commons-Lizenz ist noch in Ausarbeitung.

Will man in irgendeiner Art etwas von einem bestehenden Song verwenden, gilt folgendes: Grundsätzlich muss für jede Nutzung von Melodie und Text die Einwilligung der Rechteinhaber eingeholt werden. Die Rechteinhaber sind für die Rechte an Melodie und Text, die Urheber bzw. deren Verlage und für die Rechte an der Aufnahme die Interpreten bzw. Plattenlabels. Die Rechte der Urheber und der Verlage werden von der SUISA verwaltet. Soll die Aufnahme genutzt werden, z.B. durch Sampling oder Remix, muss also immer eine Lizenz des Plattenlabels eingeholt werden. Nutzungen von Melodie und Text werden von der SUISA lizenziert. Wird nicht lediglich eine Cover-Version erstellt, sondern werden auch Melodie oder Text geändert, gekürzt oder in einer anderen Form bearbeitet, muss zusätzlich noch die Erlaubnis des Verlages oder Urhebers eingeholt werden. Detaillierte Informationen zum richtigen Vorgehen erhalten Künstler und Produzenten bei der SUISA oder bei der IFPI (International Federation of Producers of Phonograms and Videograms).

Veröffentlichung

Es gibt Plattenfirmen und Plattenfirmen. Das reicht vom Ein-Mann-Betrieb eines engagierten Szenekenners bis zum Multi-Unternehmen mit 200 Angestellten. Beide nennen sich Label und haben eigentlich dieselben Pflichten und Ziele. Nur die Mittel und Kontakte unterscheiden sich gewaltig. Eine Plattenfirma verfielfältigt, verkauft und promotet Tonträger. Die Plattenfirma unterscheidet sich vom Verlag dadurch, dass sie nicht wie dieser am Vermarkten des einzelnen Werkes, bzw. Song interessiert ist (geistiges Eigentum), sondern ein Produkt eines Künstlers, oder gleich den Künstler selbst vermarktet. Es gilt hauptsächlich zwei Kategorien von Labels, nämlich «Independent Labels» (z.B. RecRec, Disctrade, Bruchstücke) und «Major Labels» (z.B. Sony-BMG, EMI, Universal). Das Hauptproblem in der Schweiz liegt darin, dass Majorlabels oftmals einfache Ableger ihrer Mutterfirma im Ausland sind und sich auch hauptsächlich auf das Verkaufen von ausländischen, weltweit laufenden Mega-Acts beschränken. Nach dem Motto: Schweizer Musik braucht/will im Ausland niemand, doch die Schweiz braucht ausländische Musik. Falsch ist auch die weitverbreitete Meinung, dass, wenn man erst einen Deal mit einem Schweizer Major-Label ergattert hat, deren Schwestergesellschaften im Ausland gezwungen sind, das Album in ihrem Land zu verkaufen. Independent Labels sind im Vergleich zu Major Labels oftmals idealistischer, begeistern sich auch für neue Stile und Bands, die nicht zum Mainstream gehören, schaffen es aber selten den nötigen Aufwand zu betreiben um eine Band richtig zu vermarkten. Und selbst bei Indies sollte man sich keine falschen Hoffnungen machen. Je erfolgsversprechender die Band und je weniger Aufwand sie mit sich bringt, desto grösser die Chance auf einen Plattendeal. Das heisst konkret: Wer die Mühe und die Kosten auf sich nimmt, selbst ins Studio geht, ein Coverdesign bastelt und ein komplettes Album pressen lässt, wird viel eher unter Vertrag genommen, als das selbstgebrannte Demo mit drei Mustersongs die einen ungefähren Eindruck vermitteln sollen. Da müsste das Label schliesslich noch viel Geld in die Hand nehmen und mächtig Arbeit erledigen. Bei der Variante mit dem fertigen Album muss die Plattenfirma lediglich noch ein paar Codes draufmastern, ihr Logo draufpappen und das Ganze nochmals pressen lassen. Diese Variante nennt man Bandübernahme-Vertrag. Dabei wird nicht die Band übernommen (wie man fälschlicherweise annehmen könnte) sondern die Masterbänder. Die Plattenfirma erwirbt somit die Rechte an diesem Produkt und an den enthaltenen Aufnahmen, nicht aber an den sich darauf befindenden Songs selbst. Daneben gibt es den sogenannten Künstlervertrag. Dies ist nun der Vertrag, bei dem sozusagen die Band übernommen wird. Dies können sich praktisch nur die Majors leisten. Die Plattenfirma erwirbt das Recht am Künstler. So sinkt zwar das Risiko des Künstlers (auch finanziell) gegen null, mit dem Risiko allerdings auch das Mitspracherecht und die Gewinnbeteiligung.
Mehr Infos findest du auf
www.bandorama.ch/Band-Guide/frameset.htm

Links

Software:
www.apple.com/chde/logic
www.ableton.com/index.php?main=live
www.native-instruments.com/index.php?id=reaktor5_de

Hardware:
www.m-audio.de

Shop:
www.jackpoint.ch

Mastering:
www.audio-net.ch
www.subkutan.net
www.echochamber.ch

Tonträger:
www.unicut.biz
www.plaerrr.ch
www.handlewithcare.de

Rechtliches:
www.suisa.ch/home_d.htm
www.ifpi-schweiz.ch
www.creativecommons.org

Infos und Tipps:
www1.musikmachen.net/basics/frameset/set_cp03.html
www1.musikmachen.net/glossar
www.logicuser.de
www.computersound.de/index.php/content/category/5/18/56
www.computerbase.de/lexikon/Sequenzer
www.bandorama.ch/Band-Guide/frameset.htm

www.apple.com/chde/logic

Autor: Electroboy / Bild: Logic Pro
Veröffentlicht: 24.08.2007

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