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Die Filtersektion gehört ohne Frage seit Anbeginn elektronischer Musik zum interessantesten und vielseitigsten Teil der Musikelektronik! In mannigfacher Form erscheint die breite Palette klangveredelnder oder klanggestaltender Filter heute. Die klassischen Filter: Tief-, Band- oder Hochpass sind sicher jedem vom Hören bekannt. Der Name erklärt das Filter: Tiefpass lässt tiefe-, Hochpass hohe Töne passieren. Während Hoch- und Tiefpass eine "Abschneidefrequenz" haben, an der "zugemacht" wird, lässt das Bandpassfilter die Töne innerhalb eines Frequenzbandes durch. Diese "Abschneidefrequenz" wird Cutoff genannt. Im Zusammenhang mit der Breite des Filters spricht man von der Bandbreite. Die Flankensteilheit der Filter bestimmt, wie scharf die Frequenzen ausserhalb der eingestellten Filterfrequenzen abgeschnitten oder ausgeblendet werden. Dieses wird in dB angegeben - man spricht hier auch von der Güte des Filters. Je höher die Güte, desto härter kann der Klang abgeschnitten werden (bzw. desto höher ist die Flankensteilheit). Solche Filter werden häufig zwischen 6 und 48 dB gefertigt. 48 dB werden allerdings in der Regel nur durch Kaskadierung zweier 24 dB Filter erreicht. "Normal" sind 12dB und 24dB. Doch schon mit 6 dB können akzeptable Ergebnisse erzielt werden. Man kann aber grundsätzlich sagen, daß niedrige dB Zahlen eher wie ein Equalizer - also Klangveredelnd - und höhere dB Zahlen eher für die Gesamtgestaltung des Klanges einzusetzen sind. Dazu kommen resonanzfähige Filter, deren Resonanz (oder Q-Faktor) so hoch eingestellt werden kann, daß das Filter selbst in der eingestellten Frequenz resoniert. Gerade in Verbindung mit Drums oder Beats DAS Werkzeug, um eigene, interessantere Klänge auf den Weg zu bringen! Das Ganze wird dann noch mit einer Hüllkurve (Envelope) versehen, so daß das Reaktionsverhalten mit Ein- und Ausschwingzeit ausgestaltet werden kann. Gute Filterbänke haben auch häufig eine Quint-/Oktavschaltung, bei der das zweite Filter fest auf das jeweilige Intervall (Tonabstand) zum ersten Filter gestimmt wird. Ein LFO (Low Frequency Oscillator) ermöglicht dann noch, durch eine tiefe Schwingung die Filterfrequenz zu modulieren, in der Regel durch eine Sinus- oder Dreieck Wellenform. Bei Filterbänken mit zwei Filtern hat man meistens parallel geschaltet zwei 12dB Filter, seriell geschaltet (durch Addition) ein 24dB Filter, wobei die Frequenzeinstellung dann für beide Filter gekoppelt werden können.

Bei dieser Filtergattung ist auch unbedingt empfehlenswert, digitale und analoge Filter zu vergleichen. Während digitale Filter(-bänke) oft in der Steuerung komplexere Zugriffe erlauben, glänzen analoge Filterbänke durch ihr unlineareres Verhalten und ihren Klang, der eine hochmusikalische Bedienung zulässt und dadurch mehr instrumentalen Charakter entwickelt - es erinnert mehr an ein Musikinstrument als an Steuertechnik.

In der digitalen Welt liegt das FFT Filter (FFT = Fast Fourier Transformation) an ähnlicher Stelle wie die Tief-, Hoch- und Bandpassfilter. Ein resonanzloses Filter, daß z.B. aus 512 oder 1024 Bändern besteht, die beliebig auf- und zugezogen werden können. Bei dieser Art Filter werden die Frequenzbänder dann, je nach Einstellung dazu- oder weggerechnet, wodurch ein sehr sauberes Arbeiten, vor Allem bei gezielten spektralen klanglichen Darstellungen möglich ist. Man kann eben wirklich jede einzelne Frequenzherausfiltern bzw. separieren!

Mit Feedback arbeiten die Combfilter. Wie der Name schon sagt, werden hier in der Regel mehrere Filter kombiniert und wie ein Kamm angeordnet. Das heisst, es wird für jedes Filter eine Frequenz eingestellt (wir können uns zum Beispiel einen 6 stimmigen Akkord für ein Sechser Combfilter vorstellen). Die "Eigenresonanz" wird hier durch das Feedback erzeugt, wodurch ersichtlich wird, daß Filter und Delay sehr enge Verwandte sind! Das Feedback und die Lautstärke sind vor Allem zur Feineinstellung wichtig. Da bei Combfiltern meistens mit hohem Feedback gearbeitet wird müssen wir uns also in diesem Fall sechs eigenresonierende Filter vorstellen, die bei Impulsen ins Schwingen geraten. Natürlich wirken Impulse, die die gleichen Frequenzen (oder Vielfache oder Quinten) haben, wesentlich stärker, als Frequenzen, die nicht in der Stimmung der Filter liegen... So hören wir dann den eingestellten Akkord schwingen, wenn Klänge in das Filter geschickt werden.

Eine ganz andere Art Filter stellt das Convolution Filter da: hier werden zwei verschiedene Schallquellen benötigt, wobei bei der Überblendung die Hüllkurve des ersten Klanges den Verlauf des zweiten Klanges bestimmt. Ein Beispiel: Ein Schlagzeug Pattern ist der erste Klang, ein langer Orgelakkord der Zweite. Beim Überblenden vom Schlagzeugsample zum Orgelton verschwindet zunehmend der Eigenklang des Schlagzeugs und der lange Orgelton erscheint in dem Rhythmus, den das Schlagzeug spielt. Bei voller Überblendung hören wir dann den langen Orgelton im Original (ohne Rhythmus).

Zu guter letzt wäre noch das Morphing zu erwähnen. Grob erklärt werden hierbei alle klanglichen Parameter des Ausgangsklanges fliessend auf direktem Wege in die Parameter des Zielklanges gefadet. Beispiel mit vier Parametern: Ausgangsklang 2 5 7 9, Zielklang 3 9 5 1 -> Während es von 2 nach 3 (Ausgangsklang/Zielklang) geht ist der Weg der zweiten Zahl in der selben Zeit von 5 nach 9 (also 5,6,7,8,9). Die 7 ginge zurück auf 5 und die 9 auf 1.

Filterworkshop mit Jochen Bohnes in der Fega-Werk Music Scool

Jochen Bohnes: Live-Elektroniker, Pianist, Komponist, Improvisator, Softwareentwickler, Live-Videokünstler, Studioleiter European Powerbook Ensemble (www.bohnes.de)

Anmelden: info@fega-werk.ch
Kursstart: Auf Anfrage
Teilnehmerzahl: 8 Personen

www.fega-werk.ch

Autor: Fega-Werk
Veröffentlicht: 08.09.2005

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