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// Philipp Geist (viDeogeist) lebt und arbeitet in Weilheim und Berlin. Die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit Musik auf der einen, und bildnerischen Ausdrucksformen auf der anderen Seite, haben den 29-jährigen zu einem Aufsteiger der jungen Kunstszene gemacht: Mit seinen Videoarbeiten bespielte er im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem 60-köpfigen Sinfonieorchester OBC Barcelona und der finnischen Soundformation PanSonic die Eröffnung des Sonar Festivals in Barcelona vor rund 5.000 Besuchern. Geist war auf dem für Neue Medien renommierten Mutek Festival in Montreal, Dissonanze 05 Rom/ Italien und auf der Clubtransmediale in Berlin vertreten. Seine Live-Video-Performances zeigte er in international bedeutenden Kunstinstitutionen wie dem Central House of Artists (CHA) in Moskau, dem Institut of Contemporary Art (ICA) in London, der Biennale in Santiago de Chile und bei der Eröffnung der Pinakothek der Moderne in München.
Du stehst einerseits für das Studio Philipp Geist, das Video, Painting und Photo anbietet, andererseits auch für Videogeist, den Videokünstler und VJ. Du hast deinen Zugang zur Videokunst über die Fotografie und Malerei gefunden. Was steckt hinter diesem Schritt vom Einzelbild zum bewegten Bild?
Angefangen hat alles mit 13 mit der Fotokamera, mit 17 habe ich mich vor allem für die Malerei interessiert. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich überwiegend mit Videokunst. Wichtig ist mir dabei der stetige Wechsel zwischen den Medien, damit sich keine Routine in meine Arbeit einschleicht. So kann ich meine Arbeiten ständig hinterfragen und weiterentwickeln. Videogeist ist der Name meines Labels bzw. meiner Produktionsfirma und auch der Name, unter dem ich live in Clubs etc auftrete. Studio Philipp Geist beinhaltet ausschließlich Projekte wie meine Fotoarbeiten, Malereien und Videokunst - Installationen.
Du zeigst deine Video-Performances in bedeutenden Kunstinstitutionen auf der ganzen Welt. Ab wann ist für dich Video Kunst oder doch "nur" Video?
Ich denke, diese Unterscheidung hat auch immer mit dem eigenen Ansatz zu tun, ob man Videokunst machen will oder "nur" Party-Deko. Künstlerisch anspruchsvolle Projekte müssen nicht ausschließlich in bedeutenden Kunstinstitutionen stattfinden, sondern können auch in kleinen Clubs und Galerien oder im Nachbarkeller gezeigt werden. Wichtig ist mir in meinen Arbeiten, meine persönliche Bildsprache sichtbar zu machen. Ich verwende keine "Found Footage", sondern filme alles selber, löse diese Aufnahmen aus dem Kontext und entwickle daraus meine Bilderwelten.
Mit deiner Videokunst bist du Part verschiedener "Visual Music" Projekte, bei denen deine bewegten Bilder nicht nur mit der Architektur und der Atmosphäre des Raums verschmelzen, sondern auch zu visuellen Interpretationen der Musik werden. Kannst du uns das näher erklären?
Ich finde es sehr spannend, mit Räumen und der bestehenden Architektur zu arbeiten. Bilder und Installationen zu entwickeln, die in einem Dialog mit dem Ort, der Atmosphäre und der Musik eingehen und sich nicht nur auf einem vorgegebenen rechteckigen Leinwandformat abspielen. Sowohl Malerei als auch Videoarbeit ist an der Wand Teil eines großen Bildes (Wand/Raum). Bei der Videokunst gibt es aber wesentlich mehr Möglichkeiten, Räume zu bespielen und auf Gebäude zu projizieren.
Du arbeitest mit den Gebr. Teichmann wie auch mit SchneiderTM zusammen. Welche Zusammenarbeit hat sich bis jetzt ergeben?
Mit den Gebr. Teichmann mache ich ein sehr interessantes Projekt, gemeinsam mit dem Zitherspieler Leopold Hurt. Elektronische Klänge, Beats und Musik vermischen sich mit Zitherklängen. Leopold Hurt arbeitet mit einer Loop Station, Computer und Effektgeräten, mit der er seine Klänge verfremden und durch Tonüberlagerung einen sehr großen und massiven Klangkörper aufbauen kann. Bei diesem Projekt arbeite ich mit zum Teil sehr langsamen und ruhigen Landschafts- und Naturaufnahmen, die unverfremdet und abstrahiert in einen Zusammenhang mit der Musik gebracht werden. Außerdem verwende ich einige kleine Minikameras, die ich direkt an die Instrumente befestige und dadurch spannende Aufnahmen bekomme. Es ist ein zum Teil sehr ruhiges aber wunderschönes, stimmiges Projekt. Mit Dirk Dresselhaus arbeite ich intensiv seit '99 zusammen - sehr inspirierende und spannende Projekte wie SchneiderTM, DR. DREK und "ANGEL" mit Ilpo Väisainen (Pan Sonic).
Du bist einer der wenigen VJs, die sich auch ausserhalb der elektronischen Musik orientieren. So hast du u.a. auch mit einer Jazz Formation zusammengearbeitet. Warum sieht man selten moderne Videokunst im Zusammenhang mit den klassischen Bereichen der Musik?
Ich interessiere mich für viele verschiedene Formen von Musik, wie klassische Musik, Jazz, Blues,... Vor allem reizt mich bei meinen Projekten das "Neue", die Herausforderung, nicht nicht immer 130 BPM in einem Club... Das wird schnell langweilig. Mich interessiert die Clubwelt nicht mehr so sehr. Letztes Jahr 2004 habe ich mit dem 60köpfigen Orchester OBC und Pan Sonic bei dem Eröffnungskonzert des Sonar Festivals Barcelona zusammengearbeitet. Es war eine sehr große Herausforderung, klassische Stücke auf einer riesigen Leinwand zu interpretieren...
Vom 26. Nov. bis 31. Dez. 05 zeigst du eine Outdoor Video Installation namens "Winterzauber" in Zürich am Lake Side. Wie ist es dazu gekommen und was dürfen wir uns darunter vorstellen?
"Winterzauber" ist die Bezeichnung, unter der das Lake Side-Restaurant seit Jahren eine Aktion zur Weihnachtszeit präsentiert. Dieses Jahr hat sich das Lake Side Restaurant zum ersten Mal für eine Videokunst-Installation entschlossen. Diese Installation wird dann 5 Wochen auf 3 Wänden (insgesamt ca. 450m2) projiziert. Das Thema meiner Arbeiten sind verschiedene künstlerische Interpretationen zum Thema Winter und Weihnachten. Wichtig dabei ist mir die Auseinandersetzung mit dem denkmalgeschützten Haus, dessen Architektur und Lage.
Was würdest du Interessenten raten, die selber VJ werden wollen? Wie sollen sie vorgehen und was gibt es für Tools?
Kamera on, Herz, Hirn, Mut am Start und los gehts : ) Die Tools und Tricks müssen alle selbser herausfinden, nur so kommt man zu seinem individuellen, eigenen Style. Je ungewöhnlicher der Weg, desto eigener und frischer die Arbeiten!
Welche Herausforderungen stehen noch an, was möchtest du noch gerne realisieren? Was siehst du am Horizont deiner Arbeiten?
Herausforderungen sehe ich vor allem bei Video-Raum-Installationen, bei Visual Music Projekten mit klassischer Musik, Jazz, Neuer Musik und internationaler Musik, z.B. chinesische oder japanische Folklore und Video-Raum-Konzepte, bei denen die Gäste Teil der Projektion werden und sich die Videoarbeiten von der Leinwand befreien. Darüber hinaus möchte ich mich auch stärker auf meine Fotoarbeiten und Malerei konzentrieren.
www.videogeist.de
www.p-geist.de
Autor: electroboy
/ Bild: Presse
Veröffentlicht: 12.10.2005
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