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Kolumne
Dada kaufen
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Inhalt: Vinyl-Kaufbefehle von Dada.

Autor: David Dada Daniel, mail
Dada kaufen #1

// Liebste Audiophile & Compact-Disc-Verächter! Liebe Freunde des schwarzen Goldes & des grossen Formats. Ich opfere mich & gehe für Euch einkaufen. Dada kauft ein. Dada besorgt sich seinen Stoff, der ihn einige Nächte befrieden wird – solange, bis er den nächsten Kick, den nächsten Schuss wieder braucht. Ich gebe es zu: Ich bin ein Vinyljunkie! Ich gehe in meiner Klause auf & ab, werfe meine Hände über den Kopf, schreie: «Warum nur, warum mein Gott, warum hat denn mein Plattenladen nicht schon offen?!» Ja, den Vinylmanie Verfallenen das allerliebste Reduit ist unbestritten der Plattenladen. In meinem Falle ist dies «Plattform45» in Zürich (selbstverständlich bekomme ich mehrere Tausend Taler, damit ich das hier erwähne) & das Brockenhaus (Null Goldduplonen). Ersterer für neue Sachen in Bereichen der Electronic, letzterer für meine heissgeliebten Hörspielplatten. Ich werde Euch, werte Leser, regelmässig zum Einkaufen mitnehmen, Euch in die heiligen Riten der Schallplattenalleinunterhalter einführen & Euch an dieser Stelle meine Perlen, die ich erstehen konnte - ohne Gewähr hinsichtlich Vollständigkeit – vorstellen. Diese Hinweise verstehe ich selbstverständlich als Kaufbefehle (sofern möglich).

ISAN
Trois gymnopédies
Morr Music
Ach herrlich, eine wunderbare 7-Inch mit Neuinterpretationen der drei Gymnopédies von Erik Satie. Erik Satie war ein französischer Komponist & Pianist der vorletzten Jahrhundertwende. Ausserdem ein Bohèmien & Exzentriker. Er gründete eine eigene Kirche, die «Eglise Métropolitaine d’Art de Jésus conducteur», deren einziges Mitglied er war. Er war ein glühender Verehrer des Dadaismus & besass Hunderte von Taschentüchern, die er jede Woche neu faltete. Er entwickelte früh Formen von «Anti-Musik», Environments & multimediale Gestalten, so z. B. in der <i>Musique d'Ameublement</i>, einer «Musik zum Weghören». So auch diese drei Gymnopédies. Sie gehören zu den bekanntesten Werken, die die französische Musik überhaupt kennt & wurden (leider) oftmals von skrupellosen Beschneidern verhunzt. Robin Saville & Antony Ryan gehen auf dieser Platten schonungsvoll mit dem Original um, fügen feine, verzisselte Perkussion dazu & lassen sogar (für elektronische Musique unüblich) Ritardandi & Rubati zu. Einfach göttlich!

SLEEPARCHIVE
Radio Transmission EP
Archive5
Konzeptmusik. Keine Schnörkel. Kein Beigemüse. Reduktion aufs Wesentliche. Feinster Minimalismus. Bisweilen schon an Loop-Platten erinnernde Ästehtik. Die einzigen Vocals beschränken sich auf die aussagekräftigen Ausprüche: «A – C – D – B». Kristallisierte Askese.

WERNER SCHÜTTGEN
Psychophonverfahren – Heilung durch Entspannung & suggestive Prägung
Quadriga (leider vergriffen)
Eine Meditationsplatte aus den späten Siebzigern. Zwanzig Minuten davon reichen, um entweder von allen mentalen Krankheiten erlöst zu werden, oder aber in Wahnsinn & Demenz getrieben zu werden. Vor allem es hat mir der zweitausenddreihunderteinunddreissigmal gesprochene Satz: «Ich setze mich durch» angetan.

V.A.
Communication Defines Culture
Conversation Records
Eine neue, tolle Loop-Platte von dreiunddreissig Musikern. Die Loop-Platte ist eine ganz famose Erfindung der Musikindustrie. Ihr wesentliches Merkmal ist, dass sie nach einer Umdrehung an den Ursprungort der vorangehenden Drehung zurückkehrt. Daraus ergibt sich der Loop. Du kannst also also getrost in den Urlaub verreisen, & wenn Du von Deiner zweiwöchigen Safari zurückkehrst, wirst Du dasselbe hören, was vor der Abreise lief. Home sweet home. Jedoch sei gewarnt: Auch dies kann Dich in den Wahnsinn treiben (siehe oben)!

THOMAS MELCHIOR & LUCIANO
Solomon’s Prayer & Father
Cadenza
Nach all der schweren Kost eher etwas Kontemplation. Beschaulich, minimal, sehr perkussiv geht es zu & her beim neusten Streich Lucianos. Eine schöne Sandwichplatte (also eine zwischen zwei wirklich guten), mit netten, gerauchten Funky-Vocals. Hübsch & unbeschwert.

Veröffentlicht: 08.06.2006