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Inhalt: Vinyl-Kaufbefehle von Dada.
Autor: David Dada Daniel, mail
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Dada kaufen #2 - Kaufbefehle und Betrachtungen eines DJs von trauriger Gestalt
// Heute wende ich mich einem Thema zu, das von vielen totgeschwiegen und von einigen mit Nachdruck verteidigt wird: GEWALT UNTER DJs. Ja, was hat man (also ich) nicht schon alles erlebt! Zweihundert Sitzungen bei Dr. M. Gmür und drei Aufenthalte in der Betty-Ford-Klinik später kann ich endlich darüber schreiben reden fällt mir noch immer schwer. Aus Angst vor Repressalien müssen leider die Täter und Täterinnen anonym bleiben.
Eine Auswahl an Erlebtem: Anschreien, beschimpfen (bis die Tränen kullern), kneifen, kratzen, beissen (bis heute noch sichtbar), wegstossen (mit Armen & den Hüften, sehr beliebt), Köpfhörerkabel durchschneiden, Köpfhörer verstecken, Platten zerbrechen, auf Platten mit Stilettos laufen, fremde Platten in die eigene Plattentasche versorgen (eigentlich: klauen), Faustschläge und Fusstritte in die Leistengegend, Plattenspieler ausstecken, Strom abstellen, Prosecco in den Plattenkoffer schütten (Cola wäre effektiver gewesen), PowerBook abstellen (oder schliessen, was nahezu das gleiche bewirkt; dies kann aber auch aus Versehen und Unwissenheit geschehen sein), «gute» Ratschläge (Zitat: «Ja, weisst Du, Dada, ich finde ja deinen Sound schon total krass, aber die Leute sind noch nicht bereit dazu» Anmerkung: Das wurde gesagt, während circa dreihundert Leute kreischend zu meinem «Sound» getanzt haben), den Spielplan so manipulieren, dass zur eigenen Spielzeit der Klub schon fertig geputzt war, vor dem Spielen etwas in den Drink schütten (kann auch aus Versehen haha oder Grosszügigkeit geschehen sein, ist also nicht eineindeutig).
Eine Auswahl an Ideen, was man noch so machen könnte: Mit den Nadeln Augen ausstechen (nicht die teuren Ortofon verwenden), Hände brechen, mit Plattenspieler erschlagen, Plattenkoffer aus dem Fenster oder in den See werfen, in der VIP-Lounge einsperren, PowerBook einem Partygast verkaufen, mit Signalhupe einen Hörsturz provozieren, mit Faustfeuerwaffe bedrohen, alle Platten in die falschen Hüllen stecken, Partyveranstalter bestechen, dass man keine Bookings mehr kriegt (wird vielleicht schon praktiziert) usw.
Nach all diesen schönen Sachen noch meine Kaufbefehle:
KÜCHENMEISTER
Anti Age
Bomzh / Neuton
Ein ganz famoses Album der einen Hälfte von TokTok. Reduzierter Techno, kein Schnörkel, mit viel Witz und Schalk (inklusive Minimal-Veräppelung). Küchenmeister spielt mit den Erwartungen der Hörer und findet Wege, diese gegen die Hörer so auszuspielen, dass keine Durchbrechung stattfindet, sondern ein Boomerang-Effekt mit Nachhall.
STYRO
Anarres 04
vergriffen
Eine kleine Trouvaille, vorgestern im p45 entdeckt: Vier tolle Technostücke vom Technobischof von Zürich aus dem Jahre 1993/1994 (Styro konnte sich nicht mehr genau erinnern). Viermal knüppelkonsequenter Techno, der erschreckend gut in die Minimalmania von heute passt. Gute Musik braucht halt manchmal nur fünf Spuren. Augen auf, vielleicht findet sich irgendwo noch ein Exemplar (ich bin der lebende Beweis, dass es sowas manchmal gibt).
LEE VAN DOWSKI
The Darkened Component
Num06
Für einmal keine überverspulte und -aufgebaute Tracks. Die eine Seite belangloses Minimaltrancegeschwafel und Flächenobsession, die andere jedoch ein Kleinod an subtilen Marimbaklängen, flockig luftig. Etwas für die sonnengeschwängerte Afterhour am See.
COSMIC SANDWICH
Man in a Box Rmx Vol. 2
Traum Schallplatten
Eigentlich würde ich Cosmic Sandwich alias Steve Barnes ja nicht empfehlen (zu schlagerlastig, zu viel gespielt), aber der wunderbare Cosili und der tolle Markese haben zusammen einen Remix abgeliefert. Ein deutsches Heftchen hat geschrieben, der Remix sei etwas belämmert. Na, vielleicht ist er ein wenig zu lang geraten, und vielleicht wird gerne mit wenigen Elementen exzessiv gespielt, doch spielende Erwachsene sollen belohnt werden vor allem, wenn sie aus Zürich kommen.
Veröffentlicht: 15.07.2006
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