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Inhalt: Vinyl-Kaufbefehle von Dada.
Autor: David Dada Daniel, mail
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Dada kaufen #3 - Kaufbefehle & Betrachtungen eines DJs von Zürcher Gestalt
// Nicht nur in der Managementgilde driftet die Lohnschere weiter auseinander. DJ-Gagen sind heutzutage für die einen praktisch inexistent für die andern ist der Reibach umso grösser. Tatana, Antoine & Konsorten aus der Trance- und Billighousesparte verdienen immer mehr. Gleichzeitig sinken die Preise für Untergrund-DJs aus dem Posttechnominimalmilieu bis ins Bodenlose. Ja, man munkelt sogar schon von DJs, die den Schotter bei ihren Gigs über die Bartheke reichen. Wo noch vor wenigen Jahren in Zürich vierhundert bis sechshundert Franken für einen anständigen DJ keine Seltenheit waren, muss man heutzutage froh sein, zweihundert Franken für ein Dreistundenset in einem Klub zu bekommen Taxigeld wohlweisslich nicht inbegriffen.
Dass DJs (meist bei illegalen Parties) manchmal aus Goodwill & Freude, also für Gottes Lohn und der Meute Dank, auflegen gehen, ist insofern verständlich, da einerseits oft keine richtigen Einnahmen für die Veranstalter möglich sind, andererseits man gerne bei verrückten Aktionen dabei sein will. Dies wäre insofern kein Problem, wenn nicht immer mehr Leute bereit sind, in profitablen Bars & Clubs für einen Hungerlohn oder nur das Taxigeld spielen zu gehen. Dadurch wird es anderen DJs schwieriger ihren rechtmässigen Lohn vor den Veranstaltern zu rechfertigen.
Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Eine gut besuchte Bar in Zürich, den ganzen Abend proppenvoll, Spieldauer circa dreieinhalb Stunden, Lohn: 30 Franken. In Worten: dreissig Franken. Abgemacht war ein anderer Preis. Aber da konnte oder wollte man sich nicht daran erinnern. Dumm gelaufen. Davon hätte ich also das Taxi, neue Platten, die Abnützung vom Kopfhörer, Plattenputztüchlein et cetera zahlen müssen!
Nun, was ist zu tun? Ja, nicht auf den gleichen Zug springen, seinen Preis haben, sich durch Einzigartigkeit abheben, in Kauf nehmen, weniger spielen zu können. Doch die Veranstalter sollten wieder mehr im Bewusstsein eine Party schmeissen, dass zuerst die Angestellten und Musiker und der Raum bezahlt werden, bevor man selbst in die Goldschatulle greift.
Zu kaufen sind:
MIKA VAINIO
Kvantti EP 2
Sähkö Recordings
Das finnische Ur-Technolabel presst seit einiger Zeit systematisch seine alten Releases nach. Wie in diesem Beispiel eine EP aus dem Jahre 1993. Wenn man vor mehr als zehn Jahren die Sachen nicht gekriegt/verpasst/gekauft hat, hier nun also die zweite Chance. Zugreifen! Man ist erstaunt und fast ein wenig erschrocken, wie aktuell diese Platte heute tönt. Drei bis fünf Spuren, kompromissloser Techno, nicht zu hart, aber konsequent. Quasi der Vorgänger von Sleeparchive.
CHLOE
Around:Overhead
Kill The DJ Records
Wer schon einmal ein Set von der Französin Chloé gehört hat, weiss, dass kurzweiliger Schnickschnack-Schabernack nicht ihrer Vorstellung von Klubmusik entspricht. Die Musik schöpft aus ihrer Langatmigkeit, entwickelt sich nach und nach, schält sich selbst & dringt immer tiefer zu hypnotischen Seinszuständen vor. Toll.
KRIKOR
Karat 09
Katapult
Der Wahlpariser Krikor Kouchian hat in seinen jungen Jahren Bassgitarre in ner Band gespielt & kommt eigentlich aus dem Funkbereich. Seit einiger Zeit sind mehrere EP von ihm auf Katapult rausgekommen, die dies gut nachvollziehbar machen. Vielleicht ist ja die Zeit der Microschnipsel-Akufen-wir-basteln-uns-aus-vielen-Kürzestaufnahmen- ein-Stückchen vorbei, doch Krikor macht dies auf eine charmante House-Art mit drolligen Lufthansa-Stewardess-Vocals.
Und jetzt ein Verzichtbefehl:
MICHAL HO
Econoclast EP
Tuningspork
Vor ein paar Wochen hat kommerz auf diese EP vollen Lobes hingewiesen. Ich schliesse mich der Meinung an. Der Zürcher Michal Ho hat hier eine lohnenswerte Platte rausgelegt. Kommerz hatte zu Recht «ihre reduzierte Sirenenhaftigkeit, ihre brettmässigen Schamlosigkeit und in ihren Zug ins Umzingelnde» hervorgehoben. Doch wenn schon Villalobos, Sven Väth & Steve Bug anscheinend sie rauf- und runterspielen, warum sollte man sie sich nun auch noch unter die Nägel reissen?! Ein Meisterwerk ist es beileibe nicht; also kaufen und zuhause hören, oder Finger ab de Röschti!
Veröffentlicht: 30.08.2006
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