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AtomTM im Exil
AtomTM, Atom Heart, Senor Coconut - diese Aufzählung von Pseudonymen liesse sich noch sehr lange weiterführen. Nicht umsonst gilt der Deutsch-Chilene Uwe Schmidt offiziell als der Musiker mit den meisten Alias. So vielfältig seine Namen, so vielseitig seine Musik. Sie reicht von Kraftwerk-Covern im Bossanova-Stil über astreinen Acid bis hin zu klangexperimentalen Erkundungen, wie auf seinem neusten Album «Liedgut», worauf er mit Weissem Rauschen und Schubert eine entrückte Rhapsodie spinnt (erschienen bei dem renommierten Experimentallabel Raster-Noton).
Nun gab dieser Dandy der elektronischen Musik am 25. Juli ein aussergewöhnliches Rezital in dem neuen Klub Exil, der nahe dem Schiffbau in Zürich vor kurzem seine Tore zum ersten Mal öffnete. Atom trat in einer kraftwerkesken Manier mit Stehpültchen, synchronisierten Projektionen und in einer menschmaschinenartigen Façon auf. Als Klangerzeuger nutzte er lediglich einen Sampler der Marke Akai und den neuen, fabulösen Sequenzer/Synthesizer Tenori-On von Yamaha. Dieser erlaubt einen intuitiv-spielerischen Umgang mit dem Material. Und so klang es auch: verspielt und organisch sich entwickelnd. Nur minimalste Veränderungen, spröde und zurückhaltende Klangästhetik, die jedoch immer zugänglicher, ja, poppiger zu werden schien: von 5/4tel zu 4/4tel.
Zweimal ging Uwe Schmidt in den Ausstand und überliess den Maschinen die Arbeit - was ein wenig befremdlich wirkte. Doch der grosse Clou an diesem Abend waren die Visuals. Links wurden zur Musik synchronisierte Bilder und Buchstaben projiziert, rechts wurde das Display des Samplers im Original gezeigt. So konnte man 1 zu 1 mitverfolgen, was in real time verändert wurde in den Einstellungen. Sicherlich für den Laien schwer verständlich; für die Musiker ein wahrer Leckerbissen.
Zum Klub mit Bühne: Das Exil ist gelungen gemacht. Es hat die richtige Grösse (Platz für ca. 300 Personen), die richtige Höhe und bietet ausserdem noch einen kleineren Raum, der schnell zu einem richtigen Fumoir umgebaut werden kann. Das Konzept sieht praktisch nur Live-Musik vor, die jeweils umrahmt wird von DJs. Die konsequente Affirmation des Live-Moments kommt zur richtigen Zeit. Wo die elektronische Musik sich ihrer selbst Referenz wird - und das merken wir schon längere Zeit - wenden sich die Menschen wieder dem Ursprung zu. Oder anders gesagt: Der Mensch gab den Maschinen eine Seele und der Mensch kann sie sich selbst wieder zurückgeben. Oder so.
www.exil.cl
Autor: David Dada Daniel
/ Bild: AtomTM
Veröffentlicht: 14.08.2009
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